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Größeres Haftungsrisiko für Autofahrer
seit 1. August 2002

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Autofahrer in Deutschland sollten ab sofort noch aufmerksamer hinter dem Steuer sitzen als bisher. Ihr Haftungsrisiko im Straßenverkehr ist mächtig angestiegen. Seit 1. August 2002 gelten andere Regeln beim Schadenersatz. Diese begünstigen bei einem Zusammenstoß die schwächeren, unmotorisierten Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer, Inlineskater oder Fußgänger.

Kinder genießen besonderen Schutz:

Besonders aufpassen sollten Autofahrer auf Kinder im Straßenverkehr. Nach neuem Recht müssen die Kleinen erst ab dem zehnten Geburtstag haften, wenn sie einen Unfall verursacht haben. Bisher galt das Alter von sieben als Grenze. Kindern wird künftig selbst dann kein Mitverschulden angerechnet, wenn sie den Unfall fahrlässig herbeigeführt haben. Oder wenn der Autofahrer gar keine Chance hatte, den Schaden abzuwenden.

Beispiel 1 - Kinder:

Ein Neunjähriger läuft vor das Auto, der Fahrer weicht aus und kracht in einen geparkten Wagen. Bisher musste das Kind bzw. die Eltern die Privathaftpflicht der Eltern für den Schaden gerade stehen. Jetzt hat der Autofahrer den schwarzen Peter: Er muss die Reparatur aus eigener Tasche bezahlen oder über seine Kaskoversicherung regulieren lassen. Die Dellen am fremden Auto übernimmt seine Kfz-Haftpflicht. Wird das Kind verletzt, hat es Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Die Haftungseinschränkung für Kinder ist nur bei Vorsatz außer Kraft.

Beispiel 2 - Radfahrer:

Schießt ein Radler falsch herum aus der Einbahnstraße heraus vor das Auto, ist ein Crash meist unvermeidlich. Bislang konnte der Autofahrer sich auf ein "unabwendbares Ereignis" berufen und dies zu seiner Entlastung anführen. Nach neuem Recht geht das nicht mehr. Da steckt der Kfz-Halter grundsätzlich in der Haftung. Deren Höhe hängt davon ab, inwieweit der Radfahrer den Unfall verschuldet hat, also zum Beispiel verkehrswidrig fuhr.

Beispiel 3 - Radfahrer:

Kracht ein Radfahrer in ein Auto, das gerade an der Kreuzung hält, stürzt und verletzt sich dabei, muss der Halter mithaften. Auch wenn er sich ordnungsgemäß verhalten hat, müsste seine Kfz-Versicherung an den "schwächeren" Verkehrsteilnehmer zahlen. Allerdings bekommt der Radler keinen vollen Schadenersatz, weil er rechtzeitig hätte bremsen müssen.

Beispiel 4 - Skater, Jogger, Senior, Rollstuhlfahrer:

Auch schnelle Skater oder Jogger sind jetzt kein "unabwendbares Ereignis" mehr für Autofahrer. Läuft ein gehbehinderter Senior, ein Rollstuhlfahrer oder ein Jogger ins Auto, ist in jedem Fall auch der Autofahrer haftbar. Entlasten könnte ihn nur "höhere Gewalt" wie Blitz, Hagel, Sturm oder Erdbeben. Nur wenn z. B. dem Jogger das alleinige Verschulden wegen Überquerens der Straße bei einer roten Ampel nachzuweisen ist, hat der Autofahrer die Schadenersatzforderung vom Hals.
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