Arbeitsrecht
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Arbeitszeugnis-Analyse

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Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihr Arbeitgeber bzw. früherer Arbeitgeber ihnen ein wohlwollendes qualifiziertes Zeugnis ausgestellt hat, biete ich Ihnen die Möglichkeit, Ihr Zeugnis zu analysieren. Senden Sie mir Ihr Arbeitszeugnis. Sie erhalten dann schnellst möglich Ihre Analyse.

Die "Geheimsprache" der Arbeitszeugnisse

Wen wundert es, dass die Personalchefs, nach dem das Gesetz vorschreibt, dass negative Formulierungen in Zeugnissen nicht zulässig sind, eine "Geheimsprache" entwickelt haben, mit der sie ungünstige Beurteilungen möglichst positiv klingen lassen. Was da gut klingt, muss also nichts heißen. Auf den ersten Blick "wohlwollende", unverdächtige Beschreibungen entpuppen sich plötzlich als verborgene Warnungen. Zeugnisaussagen sind knallharte Informationen, die anderen Arbeitgebern Schwierigkeiten ersparen sollen.

Manchmal entscheidet die bloße Reihenfolge über Top oder Flop, z. B. wenn das Verhalten gegenüber Mitarbeitern dem Verhalten gegenüber Vorgesetzten vorangestellt wird. Oder es wird ein KO-Kriterium durch Auslassen wichtiger Details geschaffen, z. B. wenn einer Kassiererin nicht bestätigt wird, dass sie absolut ehrlich ist oder einer Sekretärin nicht absolute Vertrauenswürdigkeit und Loyalität bescheinigt wird. In beiden Fällen werden die Bewerber in diesem Beruf keine Anstellung mehr finden.

Selbst wenn der Chef das Zeugnis in bester Absicht schreibt, wenn er mit den Feinheiten der Zeugnissprache nicht vertraut ist, kann das übel für den Mitarbeiter ausgehen.
Hier eine Auswahl über die versteckten Zeugnisformulierungen in der Umschreibung, Aussage und Klartext:
Umschreibung
Aussage
Klartext
... erfüllte die Aufgaben stets zur vollsten Zufriedenheit.
Ein guter, verlässlicher Mitarbeiter.
Wir können ihn bestens empfehlen.
... hatte persönliches Format
.
Genoss allgemein Wertschätzung, wirkte aber manchmal erdrückend.
Man kann ihm schwierige Aufgaben anvertrauen.
... arbeitete zur vollen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten.
Er tat seine Schuldigkeit, mehr aber nicht.
Braucht manchmal etwas Druck.
... erledigte die Arbeiten mit beachtlichem Fleiß und Interesse.
Er hat sich redlich geplagt, es ist aber wenig herausgekommen.
Wenn er nicht überfordert und gut geführt wird, kann es etwas werden!
... erledigte die Arbeiten immer ordnungsgemäß.
Bürokrat ohne Eigeninitiative.
Braucht Führung und Druck.
... zeigte Verständnis für die anfallenden Arbeiten.
Ohne Fleiß und eigenen Antrieb.
Stellt die Niete nicht ein!
... entsprach unseren Erwartungen.
Hatte durchweg schlechte Leistungen.
Hoffnungsloser Fall.
... hatte ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und vermied Spannungen.
Typischer Ja-Sager ohne eigenes Profil.
Spielt "Mädchen für alles" ohne Widerrede.
.. hat seine Mitarbeiter gut motiviert.
Brachte eine gute Personalführung.
Gebt ihm eine schwierige Gruppe; er wird zurecht kommen.
... hatte festgefügte Ansichten und wusste diese gut zu verkaufen.
Sturer, unangenehmer Mitarbeiter.
Wollen Sie laufend Streit in ihrem Hause haben?
... sein Blick für das Wesentliche war gut ausgeprägt.
Ein Mitarbeiter mit stark ausgebildeter Zielstrebigkeit
Geben Sie ihm eine schwierige, übergeordnete Aufgabe!
.. war tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen.
Wichtigtuer, unangenehm und aufdringlich.
Soll man sich jeden Ärger aufladen?
... die gebotene Leistung lag durchaus im Rahmen der Fähigkeiten.
Mühte sich, aber es kam nicht viel heraus.
Nur einstellen, wenn keine besseren Lösungen möglich sind.
.. war freundlich, hilfsbereit und loyal.
Nicht viel los, negative fachliche Leistung.
Schade, dass man ihn nicht auf Leistung bringen kann!
... für die Belegschaft zeigte er ein großes Einfühlungsvermögen.
Stellte während der Arbeitszeiten den Damen nach!
Nur allein oder im Männerzirkel brauchbar!
... trat für die Mitarbeiter ein.
Bei Vorgesetzten: Stopfte aufmüpfigen Mitarbeitern mit Gehaltserhöhungen den Mund!
Als Führungskraft fragwürdig.
... seine Pünktlichkeit war beispielhaft.
Außer Selbstverständlichkeiten war mit ihm nichts los.
Schlechte Leistung.
... er verstand es, die Aufgaben mit vollem Erfolg zu delegieren.
Drückte sich, wo er konnte.
Einen Drückeberger einstellen?
... die Trennung von diesem aktiven Mitarbeiter erfolgte im gegenseitigen Einvernehmen.
Dem Dickkopf wurde gekündigt, weil er ständig Opposition spielte.
Unterträglicher, eigensinniger Querschädel.
... seine gesellige freundliche Art war geschätzt.
Spielte die Betriebsnudel und trank übermäßig.
Prost, Gemeinde!
 ... seine Toleranz im Kollegenkreis war bekannt.
Schwieriger Mitarbeiter für die Vorgesetzten.
Vorsicht - Cliquenbildung möglich!
.. verfügt über Fachwissen und zeigt ein gesundes Selbstvertrauen.
Mit großen Sprüchen wird das geringeFachwissen überspielt.
Sie werden von dem Mitarbeiter keinen großen Nutzen haben.
Neuem gegenüber war er beachtlich aufgeschlossen.
Aufgeschlossen ja, aber nicht um es zu nutzen.
Für Neuentwicklungen wenig brauchbar.
... hat die Aufgaben zu seinem und im Interesse der Firma gelöst.
Er hat geklaut oder andere schwere Unkorrektheiten begangen.
Unsicherer Mann, nicht einstellen!
... hatte sehr gute charakterliche und menschliche Eigenschaften und wurde ein beliebter Mitarbeiter.
Bei Fehlen von fachlichen Beurteilungen: als Vorgesetzter ungeeignet.
In untergeordneter Stelle brauchbar.
Die Umschreibungen, Aussagen und Klartext gelten natürlich (wenn auch maskulin ausgedrückt) gleichermaßen für Damen, man ist da keineswegs so höflich, netter zu formulieren.
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