Arbeitsrecht
Raute

Arbeitszeugnisse

Raute
Scheiden Sie aus Ihrem Betrieb aus, so haben Sie einen einklagbaren Rechtsanspruch auf ein "wohlwollendes qualifiziertes" Zeugnis, also ein Zeugnis, das nicht nur aus 3 lapidaren Sätzen besteht! Es soll positiv, also wohlwollend formuliert sein und bei Streitfragen oder negativ auszulegenden Formulierungen obliegt dem Arbeitgeber - nicht Ihnen - die Beweislast, dass die Beschreibung stimmt! Für den Arbeitnehmer gilt bis zum Beweis des Gegenteils die positive Darstellung der Arbeitsweise.

Bestandteile eines qualifizierten Zeugnisses

Folgendes Format sollte Ihr Zeugnis haben:

  • Firmenbogen mit Firmennamen, Firmenstandort und Rechtsform, möglichst der Art der Geschäftstätigkeit
  • Anrede Herr, Frau, Fräulein, Vor- und Familiennamen, auch Geburtsnamen
  • Geburtsdatum, Geburtsort
  • Dauer des Beschäftigungsverhältnisses
  • Art der Beschäftigung und der Aufgaben im Unternehmen

Beurteilung der Leistung nach

  • Menge und Güte der Leistung
  • Fachwissen und seine Anwendung
  • Bereitschaft zur Leistung
  • Zusammenarbeit und Teamverhalten
  • Qualitäten in der Führung von Mitarbeitern
  • Schlussformulierungen

Prüfen Sie den Inhalt, nachstehende Merkmale sollten enthalten sein:

  • Tätigkeitsbeschreibung
  • Leistungsbeurteilung
  • Leistungsbereitschaft
  • Verantwortungsbereitschaft
  • Belastbarkeit
  • Solidarität mit der Firma
  • Vertrauenswürdigkeit
  • Verhalten gegenüber den Vorgesetzten und Kollegen
  • Führungsqualitäten (bei Angestellten mit leitender Funktion)
  • Kreativität und innovative Fähigkeiten
  • Weiterentwicklung (Seminare, Fortbildung)
  • Abschlusssatz / Facheignung
  • Schlussfloskel mit Dank u. Glückwünschen für die Zukunft (* neu: siehe unten)
  • Schlussfloskel Grund der Kündigung

neu: Kein Anspruch auf Abschlussformel in Zeugnissen

Arbeitnehmer haben nach höchstrichterlicher Rechtsprechung (so BAG; 9 AZR 44/00) keinen Anspruch darauf, dass die in Arbeitszeugnissen oft gebräuchliche Schlussformel, in der der Arbeitgeber das Ausscheiden bedauert und dem Arbeitnehmer für die Zukunft alles Gute wünscht, erwähnt wird. Diese in vielen Zeugnissen übliche Formulierung ist aber nach Ansicht des BAG keine "Geheimklausel" und aus ihrem Fehlen können nicht unbedingt negative Schlüsse gezogen werden, da die Klausel selbst keine Eigenschaften des Arbeitnehmers wiedergibt.

Zeugnisse unterschreiben

Nicht jeder Arbeitgebervertreter darf Zeugnisse unterschreiben! Das Bundesarbeitsgericht gab einem Arbeitnehmer Recht, der sein Zeugnis als nicht ausreichend ansah. Dieses war zwar von einem leitenden Mitarbeiter unterschrieben worden, aus der Unterschrift ging aber nicht hervor, dass diese Person auch Mitglied der Geschäftsfuehrung war.
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